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Thema: Russische Lyrik
Das Kästchen

Das Kästchen
Ihr alle wißt, wie häufig es geschieht,
Daß man ein Ding zunächst sehr schwierig sieht.
Dabei läg doch darin die ganze List,
zu sehn, wie einfach eine Sache ist.
Ein kleines Kästchen ging von Hand zu Hand.
Es war von einem Meister hergestellt-
So hübsch, daß es gleich in die Augen fällt.
Ein Mann, der von Mechanik was verstand,
Trat auch dazu, sieht hin, und er entdeckt,
Daß in dem Kästchen ein Geheimnis steckt.
Er sagt:"Nicht eine Spur von Schloß, doch ich
Brings auf, ob ihr auch grinst, ich sicherlich.
Ihr werdet sehn, ich komm gleich auf den Dreh,
Weil ich ja von Mechanik was versteh."
Ans Kästchen macht sich unser Mann,
Sieht es von allen Seiten an,
Um jeden Nagel, jeden Knopf
Zermartert er sich seinen Kopf.
Mit wachsendem Verwundern sehn
Die übrigen ihn ratlos stehn.
Man tuschelt, spötelt rings im Chor,
Ein Rauschen ist in seinem Ohr:
"Nicht so und auch nicht so..." Er plagt sich sehr
Und schwitzt und mag zuletzt nicht mehr.
Er legt das Kästchen aus der Hand.
Ein Mensch, der von Mechanik nichts verstand,
Greift zu. Nun gings. Es war einfach zum Lachen:
Man brauchte nur den Deckel aufzumachen.
Urheberrecht IWAN KRYLOW
Feder und Stift 08.07.2008, 14.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL








